Die Stadt Wetzlar soll künftig mithilfe von LiDAR-Sensortechnik ein gesamtheitliches Lagebild ihrer Innenstadt gewinnen. Das Land Hessen fördert das Modellprojekt „Echtzeitdaten für urbane Resilienz und digitale Gesellschaft" im Rahmen des Programms „Starke Heimat Hessen" mit rund 515.000 Euro. Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus hat den entsprechenden Förderbescheid auf den Weg gebracht.

Laserpulse statt Kameras

LiDAR steht für „Light Detection and Ranging". Die Technologie tastet die Umgebung mit Laserimpulsen ab und erzeugt dreidimensionale Punktwolken — keine Fotos oder Filmaufnahmen. Anhand dieser Punktwolken lässt sich erkennen, wie viele Menschen sich an einem Ort aufhalten, in welche Richtung sie sich bewegen und wie dicht eine Menschenmenge ist. Die Auswertung erfolgt direkt auf den Geräten; an die städtische Datenplattform werden ausschließlich anonymisierte Analyse- und Zähldaten übertragen. Die Sensoren sollen an vorhandener Infrastruktur wie Straßenlaternen befestigt werden und benötigen lediglich einen Stromanschluss sowie eine Mobilfunkverbindung, sodass aufwendige Tiefbauarbeiten entfallen.

Verkehr, Parkraum und Wirtschaft verknüpft

Ein Schwerpunkt liegt auf dem Verkehrsmanagement: LiDAR-Daten sollen mit bestehenden Verkehrsdaten, Informationen zu Baustellen sowie Belegungsdaten von Parkflächen zusammengeführt werden. Ziel ist es, Suchverkehr zu reduzieren, Besucher gezielter zu freien Stellplätzen zu lenken und Emissionen zu senken. Darüber hinaus will Wetzlar untersuchen, wie sich Besucherströme auf die lokale Wirtschaft auswirken. Dafür werden die Sensordaten mit anonymisierten Mobilitätsdaten sowie wirtschaftlichen Kennzahlen auf Basis von Kreditkartendaten verknüpft — etwa um zu messen, wie ein Stadtfest oder ein Wochenmarkt die Umsätze im Einzelhandel beeinflusst.

Modell für andere Kommunen

Das Projekt ist ausdrücklich als Modellvorhaben konzipiert. Wetzlar arbeitet dabei eng mit der ekom21 zusammen und will zeigen, wie auch kleinere und mittelgroße Kommunen moderne Sensortechnik ohne vollständig neue IT-Infrastruktur einsetzen können. Die Erfahrungen sollen dokumentiert und anderen hessischen Kommunen zur Verfügung gestellt werden, inklusive Empfehlungen zu Datenschutz, IT-Sicherheit und praktischer Umsetzung.

Oberbürgermeister Manfred Wagner betonte: „Gute Datengrundlagen sind dabei von wesentlicher Bedeutung, um sichere Entscheidungen zu treffen", und verwies auf die datenschutzkonforme Integration von Daten der Partner INRIX, Vodafone und MasterCard. Digitalministerin Sinemus erklärte, LiDAR ermögliche es Kommunen, „bessere Entscheidungen zu treffen", und bezeichnete die Technologie als für viele hessische Städte und Gemeinden interessant. Das Förderprogramm „Starke Heimat Hessen" stellt seit 2021 rund 15,5 Millionen Euro für smarte Kommunen und Regionen bereit.

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