Bayern hat einen umfassenden Masterplan zur Neuausrichtung der Lehrkräftebildung vorgestellt. Kultusministerin Anna Stolz und Wissenschaftsminister Markus Blume präsentierten das Reformpaket, das Studium, Vorbereitungsdienst und Fortbildung stärker an den Anforderungen des Lehrerberufs ausrichten soll. Zentrales Element ist ein neues „Praxisjahr intensiv", das die bisherigen Praktika bündelt und den Praxisumfang um rund 50 Prozent auf insgesamt 300 Stunden ausweitet.
Über ein gesamtes Schuljahr hinweg sollen Studierende den Schulalltag kontinuierlich erleben und dabei mindestens 20 eigene Unterrichtsversuche absolvieren. Begleitet werden sie dabei von Schule und Universität; die Praxiserfahrungen sollen wissenschaftlich reflektiert werden. Stolz betonte, mehr Praxis bedeute nicht einfach früher vor der Klasse zu stehen, sondern selbst zu unterrichten, Rückmeldung zu erhalten, zu reflektieren und mit jedem Mal sicherer zu werden.
Blume kündigte an, die Regelstudienzeiten durch ein zusätzliches Praxis- und Prüfungssemester anzupassen, um mehr Raum für praktische Erfahrung und Examensvorbereitung zu schaffen. Zudem sollen neue praxisorientierte Lehrveranstaltungen – etwa zu Classroom Management – eingeführt und die Fachdidaktiken gestärkt werden. Mit sogenannten Core Practices werden zentrale Tätigkeiten guten Unterrichtens wie das Erkennen von Lernfortschritten oder das Vorbeugen von Unterrichtsstörungen gezielt trainiert; Modellversuche erproben diesen Ansatz an ausgewählten Universitätsstandorten.
Der Masterplan gliedert sich in zehn Handlungsfelder unter drei Säulen: Praxisorientierung, Qualitätsentwicklung und Willkommenskultur. Im Bereich Qualitätsentwicklung werden Themen wie Inklusion, Demokratiebildung sowie Digitale Bildung und KI verbindlicher in der Ausbildung verankert. Seminar- und Praktikumslehrkräfte sollen gezielt weiterqualifiziert werden. Bei den Prüfungen ersetzt bei mehreren Lehrämtern eine Sequenzprüfung eine der bisherigen Lehrproben, bei der nicht eine einzelne Unterrichtsstunde, sondern die Entwicklung von Lernen und Kompetenzaufbau über mehrere Stunden hinweg bewertet wird. Die schriftliche Hausarbeit im Zweiten Staatsexamen entfällt.
Der Masterplan ist das Ergebnis eines seit 2024 laufenden strukturierten Entwicklungsprozesses, in den Empfehlungen einer Expertenkommission mit Vertretern aus Wissenschaft, Schulpraxis und Vorbereitungsdienst eingeflossen sind.
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