In Frankfurt-Höchst wurden sechs hessische Wohnbauprojekte mit dem Preis für Innovation und Gemeinsinn im Wohnungsbau ausgezeichnet. Der mit insgesamt 75.000 Euro dotierte Preis, der vom hessischen Wirtschaftsministerium in Kooperation mit der Architekten- und Stadtplanerkammer sowie dem VdW südwest e. V. ausgelobt wird, stand in seiner fünften Ausgabe unter dem Motto „Mehr Ideen – weniger Ressourcen". Aus 41 eingereichten Bewerbungen aus ganz Hessen wählte eine Jury aus Architektinnen und Architekten sowie weiteren Fachleuten drei Hauptpreisträger und drei Anerkennungen aus.
Die Hauptpreisträger
Den Hauptpreis erhielt das Projekt 4_GEWINNT! aus Fritzlar, das durch die Aktivierung von Keller- und Dachflächen aus einem Einfamilienhaus ein Gebäude mit vier vollwertigen Wohneinheiten schuf – von der Jury für diese Bestandstransformation hervorgehoben. Ebenfalls ausgezeichnet wurde das KontorhausKollektiv in Kassel: Ein denkmalgeschütztes Kontorhaus von 1907 im Kasseler Hafen wurde in ein soziales Wohnprojekt mit innovativen Clusterwohnungen und großzügigen Gemeinschaftsflächen umgebaut – unter Einbindung von Baustoff-Wiederverwendung und gefördertem Wohnraum. Das dritte Hauptprojekt, das Suffizienzhaus U10, ebenfalls in Kassel, überzeugte die Jury durch wiederverwendete Baustoffe, flexibel anpassbare Grundrisse, Gemeinschaftsräume und ein durchdachtes Energiekonzept.
Die Anerkennungen
Drei weitere Projekte erhielten Anerkennungen: „Aus 1 macht 8" in Kassel schuf auf einem ehemaligen Kirchengrundstück flächenschonenden Wohnraum für acht Familien mit integriertem Quartierstreff. Das genossenschaftliche Projekt BOLO 112 in Frankfurt wurde für innovatives Wohnen in Selbstverwaltung ausgezeichnet – mit rund 30 Quadratmetern pro Kopf, reduzierter Gebäudetechnik und zentralen Begegnungsräumen. In Eltville-Martinsthal wurde eine Kirche aus den 1960er-Jahren nach dem „Haus-im-Haus"-Prinzip in ein Wohnensemble umgewandelt, das Geothermie nutzt und die historische Bausubstanz bewahrt.
Politische Einordnung
Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori betonte, nachhaltig zu bauen bedeute nicht, auf Lebensqualität zu verzichten: „Wer klug mit Materialien und Ressourcen umgeht, schafft auch bezahlbaren Wohnraum, gute Nachbarschaften und Orte, an denen Menschen gerne leben." Frankfurts Planungsdezernent Marcus Gwechenberger hob das ausgezeichnete BOLO 112 als Beleg dafür hervor, dass gemeinwohlorientierte Akteure wie Genossenschaften einen wichtigen Beitrag zu langfristig stabilen Mieten leisteten.
Dieser Artikel basiert auf einer geprüften Primärquelle. Der Text wurde vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft und einem Faktencheck unterzogen.


