Baden-Württemberg finanziert großangelegte Krisenübungen für seine Krankenhäuser: Das Land stellt rund 5,2 Millionen Euro bereit, damit Stadt- und Landkreise gemeinsam mit ihren Traumakliniken unterschiedliche Ausnahmesituationen praktisch erproben können. Ministerpräsident Cem Özdemir und Gesundheitsminister Oliver Hildenbrand stellten die Maßnahme am 29. September nach der Sitzung des Ministerrats in Stuttgart vor.

Geplant sind je zwei Übungsdurchgänge pro gefördertem Stadt- und Landkreis an einem oder mehreren geeigneten Klinikstandorten — eine erste bis Ende 2027, eine zweite bis Ende Oktober 2028. Die Szenarien folgen einem sogenannten All-Gefahren-Ansatz und umfassen insbesondere den Massenanfall von Verletzten (MANV), IT-Ausfall, Stromausfall und Hitzewelle. Geprüft werden dabei nicht nur medizinische, sondern auch organisatorische, technische und kommunikative Abläufe.

Grundlage bilden die Krankenhausalarm- und Einsatzpläne (KAEP), die Zuständigkeiten, Abläufe, Kommunikationswege und Entscheidungsprozesse für besondere Gefahrenlagen regeln. Das Sozialministerium hatte bereits im Oktober 2025 einen „Rahmenplan zur Krankenhausalarm- und Einsatzplanung Baden-Württemberg" veröffentlicht. Die nun beschlossene Förderung zielt darauf ab, diese Pläne erstmals praktisch zu erproben.

Eine verbindliche Rolle spielen dabei die Gesundheitsämter: Sie werden in Vorbereitung, Durchführung und Dokumentation der Übungen eingebunden und koordinieren sich mit weiteren Strukturen der öffentlichen Verwaltung und des Bevölkerungsschutzes. Hildenbrand betonte, Gesundheitsämter, Krankenhäuser und Kommunen müssten sich kennen, miteinander kommunizieren und als Team funktionieren.

Nach der Kabinettszustimmung erhalten die Kreise zeitnah einen Erlass mit ihrer individuellen Fördermittelhöhe. Das Land stellt zudem Planungsunterlagen bereit, darunter einen Leitfaden zur Übungsplanung, Szenarienbeschreibungen und Checklisten für die Auswertung.

Die Krisenübungen sind Teil eines breiteren Programms des Ministeriums für Soziales, Arbeit und Gesundheit. Dazu gehört auch ein laufender Arbeitsgruppenprozess zur Gesundheitssicherheit und zum gesundheitlichen Bevölkerungsschutz, der fünf Bereiche abdeckt: ambulante und stationäre Versorgung, Rehabilitation, Arzneimittel- und Medizinprodukteversorgung, Öffentlicher Gesundheitsdienst sowie Personal, Fort- und Weiterbildung. Seit Mai 2026 finanziert das Land zudem Fortbildungen im Kursformat TDSC® (Terror and Disaster Surgical Care) für klinische Schlüsselpersonen; bisher wurden 72 Kursplätze finanziert, weitere Kurse befinden sich in Vorbereitung.

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