Der jüngste Kabinettsumbau der schwarz-roten Bundesregierung hat in der deutschen Bevölkerung keine merkliche Aufwertung der Regierung bewirkt. Laut dem ARD-DeutschlandTREND von Infratest dimap knüpfen lediglich 12 Prozent der Bundesbürger daran die Erwartung einer besseren Regierungsarbeit. Die Leistungen der unionsgeführten Koalition bewerten wie im Vormonat nur 13 Prozent positiv, während sich 85 Prozent kritisch äußern. Mit der Arbeit von Kanzler Friedrich Merz zeigen sich 14 Prozent zufrieden – ein Plus von lediglich einem Prozentpunkt.
AfD auf Rekordhoch, CDU/CSU auf Tiefstand
Auch in der Sonntagsfrage spiegelt sich kein Aufwind für die Koalition wider. Die AfD erreicht mit 28 Prozent (plus 1 Prozentpunkt) einen neuen Höchstwert, während CDU/CSU mit 21 Prozent auf den niedrigsten Stand seit November 2021 fallen. Grüne, SPD und Linke verharren unverändert bei 15, 12 beziehungsweise 11 Prozent. Andere Parteien, darunter die FDP mit 4 Prozent, würden den Einzug in den Bundestag verfehlen.
Bereitschaft zur Kooperation mit der AfD wächst
Den generellen Ausschluss einer Zusammenarbeit mit der AfD befürworten noch 37 Prozent der Bundesbürger – Mehrheiten dabei in den Reihen von Grünen, Linken und SPD. Eine fallweise Kooperation unterstützen 32 Prozent, darunter etwa jeder zweite Unions-Anhänger. 27 Prozent der Wahlberechtigten insgesamt und 38 Prozent im Osten Deutschlands würden eine gezielte Zusammenarbeit positiv bewerten. Im Langzeitvergleich hat die strikte Ablehnung einer AfD-Kooperation abgenommen, die Unterstützung für parlamentarische Zusammenarbeit zugenommen.
Wunsch nach grundlegendem Wandel auf Rekordhoch
Gut die Hälfte der Bundesbürger sieht Bedarf für einen grundlegenden Wandel im Land – so viele wie noch nie im DeutschlandTREND. Umfassendere Veränderungen werden mehrheitlich von AfD- und Linken-Anhängern sowie besonders deutlich im Osten unterstützt. Demgegenüber favorisieren knapp vier von zehn Bundesbürgern eher einzelne Kurskorrekturen, vor allem in den Reihen von SPD, Grünen, Union und bei älteren Wahlberechtigten. Gefühle relativer Benachteiligung sind dabei ein erkennbarer Treiber: 43 Prozent der Bundesbürger insgesamt, 52 Prozent in Ostdeutschland und 70 Prozent der AfD-Anhänger geben an, im Vergleich zu anderen weniger als einen gerechten Anteil zu erhalten.
Sicherheit und Migration bestimmen die Debatte
Nach dem Anschlag auf den Berliner CSD beschäftigt die Sorge, selbst Opfer eines Terroranschlags zu werden, eineinhalb Wochen danach jeden dritten Bundesbürger. Sieben von zehn schätzen die Gefahr islamistisch motivierter Anschläge als sehr oder eher groß ein, knapp sechs von zehn sehen eine große Gefahr durch rechtsextreme Anschläge, jeder Zweite durch linksextreme. Im Vergleich zum Ende der 2010er Jahre wird das islamistische und linksextreme Gefährdungspotenzial aktuell größer eingeschätzt, das rechtsextreme dagegen geringer.
Beim Thema Migration befürworten 71 Prozent eine abermalige Verlängerung der seit 2024 bestehenden Grenzkontrollen im Herbst. Europäische Pläne zur Einrichtung von Abschiebezentren außerhalb der EU überzeugen knapp jeden Zweiten – neben AfD-Anhängern auch knapp sechs von zehn Unions-Wählern –, während 38 Prozent diese Pläne ablehnen. Eine Mehrheit von 59 Prozent hält gemeinsame europäische Lösungsansätze bei der Migration für sinnvoller als nationale Alleingänge, allerdings ist diese Haltung rückläufig.
Die Umfrage basiert auf zufallsbasierten Telefon- und Online-Befragungen mit 1.297 Teilnehmern (773 Telefoninterviews, 524 Online-Interviews).
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