Wenn in Frankfurt die Apfelweinwirtschaften ihre schweren Holztische decken und der Geruch von gepökeltem Fleisch durch die Gassen von Sachsenhausen zieht, dann liegt Rippchen-Zeit in der Luft. Kaum ein Gericht verkörpert die deftige, unprätentiöse Küche Hessens so treffend wie die Frankfurter Rippchen – auch liebevoll „Rippche mit Kraut“ genannt. Es ist ein Essen, das nicht blendet, sondern wärmt: ehrlich, kräftig gewürzt und mit einer Geschichte, die tief in der Frankfurter Wirtshauskultur verwurzelt ist.
Serviert wird es klassisch auf einem Holzbrett, begleitet von einem Häufchen Sauerkraut und einem Klecks scharfem Senf, dazu ein Glas Ebbelwoi in der geripptem Glas – dem typischen Frankfurter Trinkgefäß. Wer einmal in einer der urigen Apfelweinstuben gesessen hat, weiß: Hier geht es nicht um Raffinesse, sondern um Genuss im Hier und Jetzt, um Geselligkeit und um jene handfeste Küche, die Generationen von Frankfurtern nach der Arbeit zusammenbrachte.
Das Schöne an diesem Rezept ist seine Einfachheit. Die eigentliche Arbeit steckt im Pökeln – ein Prozess, der dem Fleisch seinen unverwechselbaren, leicht salzigen und rosa-schimmernden Charakter verleiht. Wer die Rippchen selbst zubereitet, taucht ein in eine Handwerkstradition, die bereits im 19. Jahrhundert die Frankfurter Metzgereien prägte.
Über dieses Gericht
Frankfurter Rippchen haben ihren Ursprung in der bürgerlichen Schlachtküche des 19. Jahrhunderts, als das Pökeln von Fleisch eine gängige Methode zur Haltbarmachung war. Die Rippchen – meist vom Schwein – wurden in einer Salzlake eingelegt, bevor Kühlschränke den Alltag erleichterten. Übrig geblieben ist bis heute der typische, leicht säuerlich-salzige Geschmack, der das Gericht so unverwechselbar macht. In den traditionellen Frankfurter Apfelweinwirtschaften, den sogenannten „Stubbe“, gehören Rippchen mit Kraut seit jeher zur festen Speisekarte – oft schlicht als „Rippche“ tituliert. Serviert wird das Gericht meist mit einem Holzbrettchen statt Teller, eine Eigenheit, die sich bis heute gehalten hat. Zusammen mit Handkäs mit Musik und Grüner Soße zählt es zu den kulinarischen Wahrzeichen der Mainmetropole.
Zutaten
- 4 gepökelte Schweinerippchen (ca. 300–350 g pro Stück)
- 1 kg Sauerkraut, vorzugsweise mild
- 1 mittelgroße Zwiebel
- 2 Lorbeerblätter
- 4 Wacholderbeeren
- 4 Pimentkörner
- 1 tsp Kümmelsamen
- 200 ml trockener Apfelwein (Ebbelwoi) oder Weißwein
- 300 ml Gemüsebrühe
- 1 Apfel, säuerlich, in Spalten
- 1 EL Schmalz oder Butterschmalz
- 1 tsp Zucker
- 2 EL grober Senf, zum Servieren
- Salz und Pfeffer nach Geschmack
- Kartoffelpüree oder Salzkartoffeln als Beilage
Zubereitung
- Die gepökelten Rippchen in einen großen Topf geben und mit kaltem Wasser bedecken. Lorbeerblätter, Wacholderbeeren und Pimentkörner hinzufügen.
- Das Wasser zum Kochen bringen, dann die Hitze reduzieren und die Rippchen bei milder Hitze etwa 60–75 Minuten sanft köcheln lassen, bis das Fleisch zart ist.
- Währenddessen die Zwiebel fein würfeln und in einem separaten Topf im Schmalz glasig andünsten.
- Das Sauerkraut zur Zwiebel geben, kurz mitdünsten und mit Apfelwein und Gemüsebrühe ablöschen.
- Kümmelsamen, Zucker sowie die Apfelspalten unterrühren, mit Salz und Pfeffer abschmecken.
- Das Sauerkraut zugedeckt bei niedriger Hitze etwa 30–40 Minuten schmoren lassen, gelegentlich umrühren.
- Die Rippchen aus dem Sud nehmen, kurz abtropfen lassen und auf einem Holzbrett oder vorgewärmten Teller anrichten.
- Sauerkraut und Kartoffelpüree dazu servieren, mit einem großzügigen Klecks Senf garnieren.
Tipps & Variationen
Für ein intensiveres Aroma lassen sich die Rippchen einen Tag vorher selbst pökeln: Dazu eine Lake aus Wasser, Salz, Pökelsalz und Gewürzen ansetzen und das Fleisch mindestens 24 Stunden darin ziehen lassen. Wer es rustikaler mag, ersetzt die Gemüsebrühe im Sauerkraut komplett durch Apfelwein – das verstärkt die typisch hessische Note. Auch eine Beilage aus Frankfurter Grüner Soße passt überraschend gut, wenn man das Gericht etwas moderner interpretieren möchte. Für eine mildere Variante kann das Sauerkraut mit etwas Sahne verfeinert werden, was besonders Kindern schmeckt. Übrig gebliebene Rippchen lassen sich hervorragend am nächsten Tag ausgelöst und in Scheiben geschnitten kalt auf Schwarzbrot genießen.
Serviervorschlag
Frankfurter Rippchen gehören auf ein rustikales Holzbrett, umgeben von einem großzügigen Bett aus Sauerkraut und einer Kelle cremigem Kartoffelpüree. Ein Löffel scharfer Senf direkt neben dem Fleisch rundet das Bild ab. Dazu gehört unbedingt ein Glas kühler, herber Apfelwein im typischen „Gerippten“ Glas – am besten im Kreis von Freunden an einem langen Holztisch, ganz im Stil der Frankfurter Apfelweinwirtschaften. Das Gericht eignet sich hervorragend für gesellige Herbst- und Winterabende, wenn deftige Hausmannskost gefragt ist, aber auch als authentisches Stück Frankfurter Lebensgefühl für jeden Sonntagstisch.






