Trotz extremer Hitze und anhaltender Trockenheit fällt die Getreideernte in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2026 insgesamt solide aus. Die sehr heißen und trockenen Sommermonate haben zwar zu einer beschleunigten Abreife geführt – bereits Ende Juni wurde mit der Abernte der Wintergerste begonnen –, die Getreideversorgung bleibt jedoch gesichert. Das geht aus vorläufigen Ernteergebnissen hervor, über die Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen und Kammerpräsident Karl Werring am 31. August vor der Landespressekonferenz informiert haben.
Bei Winterweizen, der wichtigsten Getreideart mit der größten Anbaufläche in NRW, wurde ein Durchschnittsertrag von rund 8,3 Tonnen je Hektar erreicht. Das liegt etwa 7 Prozent unter dem Vorjahr, das ein Rekordjahr bei der Weizenernte war, entspricht aber nahezu dem langjährigen Mittel. Beim Roggen wurden rund 6,8 Tonnen je Hektar erzielt, bei der Wintergerste etwa 8 Tonnen je Hektar – beide unter dem Vorjahresniveau, aber über dem langjährigen Durchschnitt. Beim Hafer fiel die Ernte schwach aus, während die Sommergerste nur leicht unter dem Vorjahr liegt und weiterhin über dem langjährigen Mittel bleibt. Der Krankheitsdruck blieb witterungsbedingt gering.
Die Winterrapsernte verlief regional sehr unterschiedlich: Im Rheinland und Münsterland wurden gute Ergebnisse erzielt, insbesondere in Ostwestfalen wurden schwächere Erträge verzeichnet. Trockenheit, niedrige Temperaturen und Schädlingsdruck beeinträchtigten die Entwicklung.
Mit Blick auf die noch ausstehenden Herbstkulturen zeichnet sich ein deutlich schwierigeres Bild ab. Bei Mais sind besonders im Münsterland und am Niederrhein erhebliche Ertragseinbußen zu erwarten; auf leichten und flachgründigen Böden dürften die Schäden teils bis zum Totalausfall reichen. Für Zuckerrüben werden im Rheinland auf flachgründigen Standorten sehr schlechte, auf tiefgründigen Hochertragsstandorten unterdurchschnittliche Erträge erwartet. Anhaltende Trockenheit und Hitze seit Mitte Juni haben zu starkem Blattverlust und gestörtem Nährstofftransport geführt.
Kammerpräsident Karl Werring zog ein differenziertes Fazit: „Die gute Nachricht ist, dass die Getreideversorgung trotz extremer Hitze und Dürre auch in diesem Jahr wieder gesichert ist. Gleichzeitig blicken die Betriebe mit Sorge auf die angespannte Marktlage, die gestiegenen Produktionskosten und die noch nicht eingebrachten Kulturen." Ministerin Gorißen betonte: „Der Klimawandel ist längst auf unseren Feldern angekommen." Das Land setzt nach eigenen Angaben auf Innovation, Investitionen, Beratung und gezielte Förderung nachhaltiger Bewirtschaftung, um Betriebe widerstandsfähiger aufzustellen.
Die Obsternte fällt insgesamt überwiegend gut aus. Bei Kirschen wurde eine gute Ernte auf Vorjahresniveau verzeichnet, bei Äpfeln und Zwetschgen wird ebenfalls mit einer guten Ernte gerechnet, wobei Witterungseffekte bei Äpfeln teilweise zu geringeren Erträgen und Qualitätseinbußen führen können. Die Freiland-Erdbeerernte blieb etwas hinter den Erwartungen zurück.
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