Kurz vor seinem runden Geburtstag ist der Künstler kreativ wie eh und je (pst). „Ich bin einer von den Leuten, die nicht nur die Welt immer verändern wollen, sondern vor allen Dingen auch sich selbst.“ Dieser Satz, den Wolf Biermann kürzlich bei „Das! Rote Sofa“ sagte, beschreibt sein bewegtes Leben zwischen zwei deutschen Staaten gut. 1953 als überzeugter Kommunist freiwillig aus Hamburg in die DDR übergesiedelt, wurde er dort zum scharfen Kritiker des diktatorischen Systems und schließlich nach zwölf Jahren Auftrittsverbot 1976 nach einem Konzert in Köln zwangsweise ausgebürgert. „Und so geriet ich dann in den Westen. Das war mein Glück“, resümierte er in einem Interview mit der „tagesschau“. Seitdem mischte der Liedermacher und Dichter unter anderem in der Friedensbewegung und der Anti-Atomkraft-Bewegung mit, wendete sich vom Kommunismus ab und ist bis heute politisch und künstlerisch aktiv. Wie aktiv, zeigt beeindruckend der Output rund um seinen 90. Geburtstag am 15. November: So startet nicht nur der Dokumentarfilm „Biermann“ an diesem Donnerstag in den Kinos, sondern der Künstler bringt auch zwei neue Alben und drei Bücher heraus – darunter Einblicke in seine Tagebücher aus der Zeit von 1961 bis 1990, zwischen Verbot, Ausbürgerung und Mauerfall. 90 Jahre und kein bisschen leise. Wir gratulieren!