KAUB/BERLIN – Die Lage am Rhein ist ernst, und das nicht nur wegen des penetrant blauen Himmels, der seit Wochen ungestraft über dem Fluss prangt. Der Pegel Kaub, jene mystische Messstelle, an der das Schicksal der deutschen Wirtschaft täglich in Zentimetern abgelesen wird, nähert sich erstmals einem einstelligen Wert. Experten sprechen von einer „historischen Katastrophe". Andere sprechen von „Wasser, das einfach fehlt". Beide haben recht.

„Im Prinzip gibt es keinen Rhein mehr"

Olaf S. Pfütze, Sprecher des fiktiven Bundesverbands für nassen Güterverkehr und selbst ernannter „Anwalt des Wassers“, trat am Montag vor die Presse und wählte Worte von geradezu geologischer Wucht: „Im Prinzip existiert der Rhein damit nicht mehr als zusammenhängendes Gewässer, sondern als zwei eigenständige Pfützen, verbunden durch eine sehr lange Schlammspur.“ Die Schifffahrt zwischen den Nordsee-Häfen und dem tieferen Süden sei damit faktisch eingestellt – es sei denn, man rechne die Möglichkeit ein, Containerschiffe auf Rollen über das Mittelrheintal zu schieben. Diese Option, so Pfütze auf Nachfrage, werde „noch geprüft“.

Krisensitzung: Alle reden, niemand regnet

Bereits am Montag versammelten sich Vertreter des Bundesverkehrsministeriums, der Binnenschifffahrt sowie ein zutiefst verwunderter Meteorologe zur ersten Krisensitzung unter Leitung von Staatssekretärin Cornelia vom Damm. Auf der Agenda: wie man Güter, die bisher bequem durch Deutschland geschwommen sind, nun irgendwie anders dorthin bekommt. Diskutiert wurden Lkw, Züge sowie – in einem Moment schwankender Kreativität – ein Pilotprojekt mit besonders tragfähigen Brieftauben.

Olaf S. Pfütze lobte die Initiative ausdrücklich: „Es ist absolut richtig, dass wir jetzt über Alternativen nachdenken, anstatt einfach auf Regen zu warten." Auf die Frage, ob man nicht auch einfach auf Regen warten könne, folgte eine längere Pause. Dann: „Wir warten ja. Aber wir tun dabei auch andere Dinge."

Baustellen sollen verschoben werden – auf nach der nächsten Katastrophe

Ein weiterer Beschluss der Runde: Baustellen an Wasserstraßen, Straßen und Schienen sollen verschoben werden, um die ohnehin strapazierte Infrastruktur nicht weiter einzuschränken. Auf welchen Zeitpunkt genau, blieb offen. Insider berichten, man habe sich auf „irgendwann, wenn es eh schon egal ist" geeinigt.

BUND warnt: Bitte nicht noch mehr Dinge tun

Kritik an den Notfallplänen übte erwartungsgemäß der Bund für Umwelt, Natur und Dinge (BUND). Verbandschef Walter Wasserlenk erklärte mit der Ruhe eines Mannes, der noch nie ein Containerschiff befrachten musste: „Wir können den fehlenden Schiffsverkehr nicht einfach durch Tausende Lkw ersetzen. Das würde Klima und Menschen belasten." Stattdessen müsse die Schiene gestärkt werden – jene Schiene, die bekanntlich so zuverlässig funktioniert, dass kein Kommentar nötig ist.

Walter Wasserlenk sprach sich außerdem gegen das Ausbaggern von Flussbetten aus, da dies die Natur störe. Auf die Frage, was man denn konkret tun solle, empfahl er „strukturelle Veränderungen im Umgang mit Wasser als Ressource" sowie „mehr Aufmerksamkeit für Moorlandschaften". Die anwesenden Binnenschiffer schwiegen ergeben.

Ausblick: Der Rhein wird gebeten, sich etwas mehr anzustrengen

Das Bundesministerium für Stadt, Land, Fluss will am Mittwoch weitere Maßnahmen beschließen. Laut gut informierten Kreisen ist auch ein offizieller Brief an den Rhein in Vorbereitung, in dem dieser „höflich, aber bestimmt" um mehr Wasserführung gebeten wird. Ob das Gewässer antworten wird, ist unklar. Zuletzt zeigte es sich wenig kooperativ.

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